Wer wir sind

Du hast überhaupt keine Ahnung, worum es hier eigentlich geht? Auf dieser Seite werden die häufigsten Fragen rund um unser Hobby kurz erörtert. Zögere nicht, dich an einen erfahrenen Spieler oder eine Spielbegleitung (SL) zu wenden, wenn du weitere Fragen hast.

Was macht ihr da überhaupt?

Die Schattenspiele sind – allgemein gesprochen – eine Rollenspielgruppe, die lebenshungrige, intrigante und eifersüchtige Vampire verkörpert. Das bedeutet, dass jeder von uns eine Art Filmfigur erdenkt, entwickelt und personifiziert. 
Was aber macht dieses Theater so besonders und worin unterscheidet es sich von einem Krimi- oder Vampirdinner, die einige Restaurants und Clubs dann und wann einmal anbieten?

Zum einen spielen wir nicht vor Publikum, sondern nur für uns selbst. Es handelt sich daher um eine Simulation, weniger um eine Aufführung. Zum anderen gibt es kein Drehbuch: Die Handlung ergibt sich aus dem Verhalten und den Handlungen der einzelnen Rollen. Jede Rolle wird von einem Spieler wie dir verkörpert und hinter jedem so verkörperten Charakter steht eine umfangreiche Charaktergeschichte; ja, eine zweite Identität, in die jeder Spieler schlüpft. Jeder dieser Charaktere hat eine eigene Lebensgeschichte; Ziele; Motivation und eine bestimmte Sicht auf die Dinge. 

Gespielt werden kann überall, wo zwei Spieler in ihren Rollen zusammentreffen. Auf der Straße, in einer Bar, in einem angemieteten Saal oder bei dir daheim. Sobald du dich verkleidet und in deinen Charakter verwandelt hast, schließe kurz die Augen und zähle bis drei. Dann öffne sie wieder und du bist im Vampire LIVE. In deiner zweiten Identität betrittst du die Bühne. Welche Bühne, magst du fragen? Die Bühne ist überall, zu jeder Zeit. In unserem Spiel läuft die Zeit synchron zur „realen Welt“. Selbst wenn du gerade nicht in deiner Rolle bist, läuft die Spielzeit also weiter.

Benötige ich Schauspielkenntnisse? Was ist mit Lampenfieber?

Die Abwesenheit eines Publikums hat einige Vorteile: Du musst keine Angst vor den Reaktionen der Zuschauer haben und niemandem etwas beweisen. Du benötigst keinerlei Schauspielkenntnisse, denn mehr als ein wenig Einfühlungsvermögen ist nicht erforderlich. Keiner deiner Mitspieler ist ein professioneller Schauspieler. Du musst dir keinen Text zu merken, denn alles geschieht improvisiert und live. Du spielst Theater ohne Lampenfieber.

Sind Vampire nicht langsam überall?

Vampire waren schon lange vor der derzeitigen popkulturellen Welle ein Faszinosum für die Menschen. Die Vampire, die wir spielen, haben nur wenig mit den gegenwärtigen Auswüchsen allá Twilight zu tun. Tatsächlich orientieren sie sich eher an Anne Rice; ihr bekanntestes Werk ist "Interview mit dem Vampir". Der von uns bespielte Hintergrund entstammt den späten 1980er Jahren und ist um einiges ernster, düsterer, aber auch intellektuell fordernder als die gegenwärtige Vampire-Romance-Literatur auf den Wühltischen der Buchhändler. Unsere Vampire sind geprägt von „Gothic-Punk“ und Film noir. Sie sind nicht nett und romantisch, sondern sehnsuchtserfüllt, melancholisch, gierig und manchmal sehr chaotisch. Du hast "Only lovers left alive" gesehen? Dann hast du eine ungefähre Vorstellung. 

Wie viele Leute spielen das?

In Deutschland dürfte sich die Zahl der Vampirspieler im mittleren dreistelligen Bereich bewegen, in ganz Europa gibt es vielleicht ein paar Tausende; in Nordamerika deutlich mehr. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, dass Spiel nur in der Fantasie, als Tischrollenspiel zu bestreiten. Sogenanntes Pen & Paper-Rollenspiel ist in Deutschland ungemein erfolgreich und wird von Hunderttausenden gespielt. Rollenspiele wie „DSA – Das Schwarze Auge“, sowie der amerikanische Vorgänger „Dungeons & Dragons“ haben die Genregrenzen durchbrochen und erreichen als Romane, Computerspiele und Filme ein Millionenpublikum, spätestens durch „The Big Bang Theory“. Unsere Vorlage ist aus einem solchen Tischrollenspiel hervorgegangen: Vampire: The Masquerade“.

Spielen alle Spielgruppen in der selben Welt? Kann ich meinen Vampir in mehreren Chroniken spielen?

Nein. Die meisten Spielgruppen orientieren sich zwar an einem gemeinsamen Hintergrund, aber jede Spielgruppe bespielt ihre Version dieser Welt, eine sogenannte Chronik, so dass es in einigen Städten durchaus mehrere Spielrunden geben kann, deren Spielwelten nicht miteinander verknüpft sind. Oftmals weichen auch die Regelwerke voneinander ab, so dass die Welten nicht kompatibel sind. Es gibt aber auch Spielrunden, die über die Grenzen einer Region hinaus eine gemeinsame Spielwelt mit Leben füllen und ein einheitliches Regelwerk verwenden. Die Spieler dieser überregionalen Chroniken reisen teilweise hunderte Kilometer weit, um größere Ereignisse, mit oftmals über hundert Spielern zu erleben. Die Schattenspiele hingegen sind eine Regionalchronik, in der es um eine konstante Simulation geht, nicht um Eventreisen. 
Das bedeutet, dass eine Region (in diesem Fall Ostthüringen mit dem Zentrum Jena) bespielt und mit Leben gefüllt wird. Die Rollenspieler unter euch kennen das Konzept unter dem Begriff „Sandbox-Setting“. Ein Spielercharakter kann daher – aus naheliegenden Gründen – nur in einer Chronik gespielt werden. Es hindert dich aber niemand daran, eine andere Rolle in einer anderen Chronik zu spielen.

Was motiviert Menschen, so etwas zu spielen? Welche Menschen tun so etwas?

In erster Linie macht das Schlüpfen in eine Rolle schlichtweg Spaß. Rollenspiel ist „Räuber und Gendarm“ für Erwachsene. Jeder, der sich zu Karneval oder Halloween schon einmal verkleidet hat, hat Rollenspiel erlebt und weiß, wie spannend es sein kann, jemand anderes zu sein. Ein besonderer Reiz ist die Unverbindlichkeit, mit der wir Dinge ausprobieren können. Da es nur ein Spiel ist, können wir richtig fiese oder auch heroische Sachen ausprobieren, ohne dass diese uns im wahren Leben auf die Füße fallen. Was im Spiel geschieht, bleibt auch im Spiel.

Gleichzeitig lernen wir neue Perspektiven und Sichtweisen kennen. Spieler berichten häufig, dass sie insbesondere nach jahrelangem Rollenspiel keine Angst mehr hatten, wenn sie vor vielen Leuten sprechen mussten. So wundert es nicht, dass sogar einige junge Landes- und Bundespolitiker bekennende Rollenspieler sind. Und auch die "Lehrerdichte" unter Rollenspielern ist recht hoch, da Rollenspiele und Planspiele in der Fachdidaktik längst als eine besonders effektive Methode des Lehrens und Lernens gelten. 

Um ganz konkret auf die zweite Frage einzugehen: 
Auch wenn es sich beim Thema zunächst so anhört, als würden sich düster herausgeputzte Teenies zu schwarzen Messen auf dem Friedhof treffen, könnte nichts weiter von der Realität entfernt sein. Wir haben fast alle einen akademischen Hintergrund und viele von uns sind ehrenamtlich, sozialpolitisch oder kirchlich engagiert. Beruflich gehen wir fast alle einer Tätigkeit nach, die ein erhöhtes Maß an Kommunikationsfähigkeit und Sozialkompetenz erfordert;  Fähigkeiten, die nicht zuletzt durch unser Hobby sehr gefördert werden.

Unser Spielerinnen und Spieler sind große Fans von TV-Serien wie True Blood,  Game of Thrones und House of Cards. Wer mit solchen Serien nicht klarkommt, wird mit Vampir-Rollenspiel auch nicht glücklich. Wer sie hingegen liebt, ist bei uns goldrichtig. 

Kurzum: Unser Spiel richtet sich an erwachsene, phantasievolle und kreative Menschen die gerne Kurzurlaub im Kopf machen. ;)